Bayern-Wahl von linken Journalisten beeinflusst

Journalisten sind grün und links. Das hat eine dänische Studie auf Basis von Erhebungen in 17 Ländern ergeben. Sie sind aber kein Abbild der Bevölkerung und kommen aus einer anderen Welt als ihre Leser. Ihre veröffentlichte politische Meinung beeinflusst allerdings die Leserschaft. Von vornherein gibt es einen deutlichen Unterschied in der Parteienpräferenz von Politikjournalisten und der Gesamtbevölkerung.

Autor: Wolfgang Freisleben

Landtagswahl Bayern 2018: Die Parteien der Großen Koalition verlieren stark an die Grünen und die AfD

Die Wahlen in Bayern waren in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Sie dürften aber bei Vielen auch Konfusion erzeugt haben. Denn die Grünen konnten bei hoher Wahlbeteiligung von 72,4% um 8,9 % mehr Stimmen gewinnen als zuvor und sind plötzlich mit 17,5 % und 38 Sitzen im Münchner Landtag zweitstärkste Partei im Freistaat – noch vor der AfD. Diese hat sogar 10,2 % zugelegt und hält bei 10,2 % der Stimmen. Beide haben die SPD (9,7 %) überholt.

Dass die Medien am grünen Höhenflug ihren Anteil haben, kann angenommen werden. Das wird von einer dänischen Studie unterstrichen, die politische Einstellungen von Journalisten in 17 entwickelten Ländern vergleicht. Resultat: Die Redaktionen sind grün eingefärbt. Und damit kein Abbild der Bevölkerung.

Sie schreiben auch nicht über „die öffentliche Meinung“, wie Journalisten bisweilen fälschlich konstatieren. Sondern produzieren die „veröffentlichte“ Meinung. Und die ist eben vorrangig grün. Und beeinflusst zweifellos die Meinung der Leser.

Studie bestätigt die vermutete linke politische Einstellung

Wahlplakate vor der Wahl: Gab die redaktionelle Berichterstattung in den Medien letztlich den Ausschlag?

Die genannte Studie basiert auf einzelnen Länderuntersuchungen, die zu einer übergreifenden Studie zusammengezogen wurden, und vergleicht die politischen Einstellungen der Redakteure mit jenen der Bevölkerung. Dabei bestätigt die Studie vom Juni 2018 den Verdacht ihrer Leserschaft, dass Journalisten tatsächlich mehrheitlich politisch links eingestellt sind, wie ihnen ab und zu auch vorgeworfen wird.

Die ersten Resultate der Studie über die politischen Einstellungen von Medienschaffenden unterstreichen also das verbreitete Vorurteil. Am häufigsten stehen die Journalisten nämlich grünen Ideologien nahe, gefolgt vom Feminismus. Es gibt in den Redaktionen durchschnittlich drei Mal so viele Grüne und Feministen wie im Rest der Bevölkerung.

Auf Platz drei liegt der Sozialliberalismus, gefolgt von Kommunismus und einer pro-europäischen Haltung. Diese drei Einstellungen sind bei den Medien doppelt so häufig vertreten wie in der Bevölkerung.

Am seltensten ist eine nationalkonservative Haltung. Sie ist in der Bevölkerung rund sechs Mal häufiger vertreten als bei den Journalisten.

Wie der statistiker-blog.de im Vorjahr berichtete, kommen deutsche Journalisten überwiegend aus Angestellten-, Beamten- und Selbständigen-Familien, fast nie aus Arbeiterhaushalten. Auch wenn nicht alle Angestellte, Beamte und Selbständige zur Mittelschicht gehören (Facharbeiter dagegen oft schon): Man kann behaupten, dass Journalisten oft aus einer anderen Welt kommen als ihre Leser.

Das wird ihnen von linken Websites auch gerne vorgeworfen. Sie wären nicht links genug, weil sie die Nöte der Arbeiter nicht kennen.

Dagegen erzählen konservative und rechte Seiten eine ganz andere Geschichte, nämlich die von der linken Meinungsmacht. Am Ende fühlen sich beide benachteiligt.

Kritik kommt auch aus den Medien selbst

Manchmal kommt Kritik an mangelnder politischer Vielfalt auch aus den Medien selbst. Laut einer Erhebung der Freien Universität Berlin zum Thema „Politikjournalistinnen und -journalisten“ aus dem Jahr 2010 sahen sich immerhin 26,9 Prozent den Grünen nahe. Das waren fast drei Mal so viele, wie eine Präferenz für CDU oder CSU angeben – das taten nämlich nur 9,0 Prozent der Journalisten und damit nicht einmal jeder zehnte.

Campus Dahlem der Freien Universität Berlin: Studie aus dem Jahr 2010 zeigte bereits Journalisten-Präferenz für Grüne

Damit lag die Union auch deutlich hinter der SPD, die auf 15,5 Prozent aller Befragten kam. Etwas mehr als ein Drittel hatte damals keinerlei deutliche Vorlieben für eine Partei.

Jedenfalls ist der Unterschied so eindeutig, dass man auch bei allen Unschärfen behaupten kann, dass es einen deutlichen Unterschied in der Parteienpräferenz von Politikjournalisten und der Gesamtbevölkerung gibt.

Dass die meisten Journalisten eher links stehen, merkt jeder kritische Leser in der Berichterstattung. Da geht es um die Auswahl von Themen, Fakten und Begründungen ebenso wie um das Einfließen der höchstpersönlichen Einstellung in Formulierungen.

Das Ausmaß der Differenz zwischen der politischen Einstellung der Journalisten in Deutschland und jener der Leser – dass sich dreimal so viele Journalisten den Grünen nahe fühlen wie CSU und CDU – ist allerdings überraschend. Und es ist keine Reaktion auf die jüngsten Querelen zwischen CSU und CDU.

Es gibt dafür aber auch noch weitere Belege. So z. B. in der Bundeszentrale für politische Bildung. Eine Präsentation von Mathias Kepplinger, Professor für empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz, zitiert eine Erhebung aus dem Jahr 2006 aus der Studie „Die Souffleure der Mediengesellschaft“ aus dem Universitätsverlag Konstanz, die zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt.

Demnach haben nur 23 Prozent keine Vorliebe für eine bestimmte Partei. 36 Prozent präferieren die Grünen (46 Prozent aller Journalisten mit Parteipräferenz), 25 Prozent (32 Prozent) die SPD, nur 11 Prozent (14 Prozent) die Union, 6 Prozent (8 Prozent) die FDP und 1 Prozent (1 Prozent) die Linkspartei.

Die Abweichung von den Ergebnissen der oben zitierten Studie kann mehrere Gründe haben. Zum einen wurden hier Journalisten allgemein gefragt, bei der anderen Erhebung nur Politikjournalisten. Hinzu kommt ein zeitlicher Abstand von vier Jahren. Und schließlich spielt auch der Zufall immer mit. Es wurde ja in beiden Fällen nur eine Stichprobe untersucht.

Übermacht linker Positionen bei Journalisten

Wahlwerbung der Grünen: Tatkräftig unterstützt von den redaktionellen Berichten

Die deutliche Übermacht linker Positionen bei Journalisten belegen aber immerhin beide Untersuchungen. Verglichen mit den Zeiten vor der großen Koalition – also rot-rot-grün (SPD-Linke-Grüne) mit schwarz-gelb (Union-FDP) – dann steht es nach den jüngeren Daten der Publizistikprofessorin Magreth Lünendonk bei den Politikjournalisten 47:16 für das rot-rot-grüne Lager, bei Malik, Scholl und Wischenberg (für Journalisten insgesamt) 62:17.

Das bestätigen auch andere Fragen. So sehen sich laut einer Erhebung von Mathias Kepplinger 46 Prozent der Journalisten links von ihrem Publikum, nur 7 rechts davon. Die übrigen bewerten ihre Einstellung als „mehr oder weniger gleich mit der des Publikums“.

Kein Wunder, dass einige Webseiten prompt folgern, politische Berichterstattung sei immer Propaganda für Rot-Grün. Denn völlig unabhängig von seiner Meinung schreibt natürlich niemand. Auch wenn Journalisten gerne die Bedeutung ihres Berufsstandes betonen, indem sie auf die Subjektivität von Blogs verweisen und die eigene Objektivität behaupten.

Lügenpresse-Debatte in Deutschland

Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS äußerten 2016 zwei Drittel der Befragten sogar die Vermutung, Nachrichtenmedien in Deutschland seien gelenkt – von der Regierung, den Parteien oder Lobbyisten. Schon zuvor hatte „infratest dimap“ ermittelt, 60 Prozent der Deutschen hätten kaum noch Vertrauen in Presse, Radio und TV, hielten aber weiter an den öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen als bevorzugter Informationsquelle fest.

Tatsächlich sind es vor allem AfD-Anhänger und Nichtwähler, die den Medien nicht vertrauen. Grünen-Anhänger gaben dagegen zu 95 Prozent an, sie würden nicht von Lügenpresse sprechen.

Grünen-Anhänger in den Medien bestätigt

Wirklich beruhigen können die Befunde hinsichtlich der Journalisten also nicht. Die positive Rückmeldung von Grünen-Anhängern deutet darauf hin, dass die eigenen Präferenzen sich offenbar doch in der Berichterstattung widerspiegeln. Niemand kann eben aus seiner Haut heraus – auch nicht Journalisten.

Helfen kann das Rückbesinnen auf ein paar alte Tugenden des Journalismus wie die Trennung von Meinung und Meldung. Und Gastbeiträge sollten nicht nur dazu benutzt werden, nahestehende Wissenschaftler und Politiker zu Wort kommen zu lassen, sondern auch, um sich manchmal gezielt eine Gegenstimme ins Blatt holen.

Viele Zeitungen tun das schon, die anderen sollten es tun. Nur dann können sie glaubwürdig damit werben, die Leser aus ihrer Filterblase zu holen, in der sie in den Sozialen Medien und in der Blogosphäre angeblich schwimmen.