US-Midterm-Wahlen: Jung, weiblich, muslimisch, farbig

Herber Rückschlag für den US-Präsidenten bei den Kongresswahlen: Die Demokraten haben seinen Republikanern die Mehrheit im Repräsentantenhaus abgerungen. Damit können sie Donald Trump das Regieren erheblich erschweren. Die Republikaner behalten im Senat die Mehrheit.

Autor: Wolfgang Freisleben

Die USA haben in einer aufgeheizten politischen Atmosphäre bei den „Midterm Elections“ ein neues Parlament gewählt. Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus werden nun neu besetzt sowie 35 der 100 Sitze im Senat. Bislang beherrschte die Republikanische Partei von Donald Trump beide Kammern.

Muslima Rashida Tlaib aus Michigan: Ohne republikanischen Gegenkandidaten im Kongress

Doch nun ist den Demokraten der Machtwechsel im Repräsentantenhaus gelungen. Sie haben 35 Sitze von den Republikanern erobert. 229 Sitze insgesamt bedeuten die Mehrheit. Die Republikaner erhalten demnach 206 Sitze. Zudem gewannen die Demokraten fünf Gouverneursposten hinzu.

Republikaner dominieren den Senat weiter

Damit leuchtet der Stern des US-Präsidenten nach der Wahlschlappe matter. Seine Chancen einer Wiederwahl in zwei Jahren sind damit massiv gesunken. Auch wenn die Republikaner von Donald Trump die Mehrheit im Senat klar halten konnten – die Voraussetzungen dafür waren für Trumps Lager aber günstig, weil nur 35 von 100 Posten zur Wahl standen. Im Repräsentantenhaus werden erstmals seit acht Jahren künftig die Demokraten das Sagen haben. Dies wird Trump das Regieren erschweren.

Alexandria Ocasio-Cortez: Mit 29 Jahren die bisher jüngste US-Abgeordnete

Für die Republikaner wird es jetzt schwer, Gesetze umzusetzen. Trump muss zudem mit vielen unangenehmen Fragen durch neue Untersuchungsausschüsse rechnen. Fragen zur Russland-Affäre. Fragen zu seinen Finanzen.

Einer der vakanten Plätze war den Demokraten bereits vor der Wahl sicher: Ihre Kandidatin Rashida Tlaib aus dem Bundesstaat Michigan hatte keinen republikanischen Konkurrenten und wird als erste muslimische Frau in den Kongress einziehen.

Als bislang jüngste Frau überhaupt hat die 29 Jahre alte Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez hat den Einzug ins US-Repräsentantenhaus geschafft. Die Tochter von Einwanderern aus der New Yorker Bronx war im Sommer über die USA hinaus bekannt geworden, weil sie völlig überraschend den alteingesessenen Demokraten Joe Crowley, einen der ranghöchsten Demokraten, in einer Vorwahl besiegt hatte.

Erstmals ein Schwuler als Gouverneur

Mit Jared Polis wurde zum ersten Mal ein schwuler Mann zum Gouverneur gewählt – im Bundesstaat Colorado. Der 43-Jährige hat in der Vergangenheit mehrere Firmen gegründet, darunter einen Handel für Online-Grußkarten. 2009 zog er ins Repräsentantenhaus ein. Mit seinem Partner hat Polis zwei Kinder.

Muslima Ilhar Omar: Zieht für Michigan in das Repräsentantenhaus

Die beiden Demokratinnen Rashida Tlaib und Ilhan Omar aus den Bundesstaaten Michigan und Minnesota sind die ersten muslimischen Frauen, die ins Repräsentantenhaus in Washington einziehen. Die 42 Jahre alte Tlaib stammt aus Detroit, ihre palästinensischen Eltern waren in die USA eingewandert. 2008 war sie als erste Muslima ins Repräsentantenhaus von Michigan gewählt worden. Sie ist Mutter von zwei Kindern.

Die 36 Jahre alte Omar stammt aus Somalia. Ihre Familie floh vor dem Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land, als sie acht Jahre alt war. Sie lebte zunächst in einem Flüchtlingslager in Kenia, bevor sie 1997 in die USA kam. 2016 wurde die Mutter von drei Kindern als erste muslimische Amerikanerin aus Somalia in das Repräsentantenhaus in Minnesota gewählt.

Indianerin Sharice Davids: Erste lesbische Abgeordnete im Kongress

Sharice Davids  und Deb Haaland ziehen als erste „Native Americans“ aus Indianer-Familien für die Demokraten ins Repräsentantenhaus ein. Die 38-Jährige Davids ist Juristin und Tochter einer alleinerziehenden Veteranin. Sie ist auch in anderer Hinsicht eine Pionierin: nämlich als erste lesbische Frau aus Kansas und wohl auch als erste Ex-Profi-Kampfsportlerin im US-Kongress. Die 57 Jahre alte Haaland aus New Mexico ist alleinerziehende Mutter. Auch ihre Eltern waren beim Militär. Die Juristin war bis 2017 Vorsitzende der Demokratischen Partei in ihrem Bundesstaat.