Kampf um die geschenkten Milliardenwerte der B&C-Stiftung

Im Dunstkreis der österreichischen B&C-Stiftung brodelt es gehörig. Ihre Industrie-Holding hält drei Industriebeteiligungen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro. Und auf die hat es nun der Investor Michael Tojner mit einigen prominenten Industriellen abgesehen. Eine Schlacht der Juristen steht bevor. Die italienische Großbank Unicredit hat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Autor: Wolfgang Freisleben

„Wir werden alles daran setzen, eine Aushöhlung unserer Betriebe sowie einen Abzug substantieller Mittel aus der B&C-Gruppe zu verhindern“, erklärte Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer am vergangenen Samstag in einer Aussendung fromm. Das ist blanker Hohn. Substanzielle Verluste gibt es in der Gruppe nämlich schon seit Jahren. Und Abfluss von Kapital auch.

Allerdings meint Hofer nicht die selbst mit verursachten Verluste, sondern das Interesse des Investors Michael Tojner an der B&C Stiftung. Dieser glaubt nämlich, mit Hilfe der UniCredit und einer Milliarden-Zahlung aus der Stiftung Kapital schlagen zu können. Diese ist aus der Bank Austria im Jahr 2000 hervorgegangen und besitzt die früheren Industriebeteiligungen der einstigen Creditanstalt-Bankverein, die 1997 mit der Bank Austria fusioniert worden war.

Rechtsanwälte mit hohen Honorar-Umsätzen

Gerhard Randa: Hatte er die Hände im Spiel?  © Bild: KURIER/Franz Gruber

Wie drei Industriekonzerne damals aus dem Eigentum der fusionierten Bank Austria-Creditanstalt (daher auch B&C) gratis in einer nahezu unantastbaren Stiftung verschwinden konnten, dürfte das größte, lukrativste und trickreichste Geschäft gewesen sein, das jemals in Österreich getätigt worden ist. Der frühere Bank Austria-Generaldirektor Gerhard Randa (bis 2005) muß dabei zwangsläufig seine Hände mit im Spiel gehabt haben. Doch Rechtsanwalt Hofer regiert seit dem Jahr 2000 im Stiftungsvorstand und ist Aufsichtsratsvorsitzender der B&C Industrieholding. Randa scheint nirgendwo offiziell auf.

Die Stiftung hält heute Mehrheitsbeteiligungen an den börsennotierten Unternehmen Lenzing AG, Semperit AG Holding und AMAG. Die Anwaltskanzlei Grohs-Hofer (50 Prozent Hofer) macht in dieser Gruppe hohe Honorar-Umsätze. Im Stiftungsvorstand mit dabei ist seit 2006 auch Erich Hampel, der Aufsichtsrats-Präsident der Bank Austria.

2014 wies die Holding Beratungsleistungen an „nahestehende Unternehmen und Personen“ von 5,9 Millionen Euro aus, im Jahr zuvor schienen 5,6 Millionen auf. Darüber hinaus ist die Grohs Hofer Rechtsanwälte GmbH auch für die einzelnen Betriebe tätig.  So weist z. B. Semperit 2017 für die Kanzlei 1,25 Millionen aus, nach 612.000 Euro für 2016.

Stiftungsvorstände Erich Hampel (ganz links) und Wolfgang Hofer (ganz rechts): Wie kamen sie zu den Milliarden?

Die Kurier-Wirtschaftsjournalistin Andrea Hodoschek bohrte weiter und förderte zutage, dass die Kanzlei Grohs Hofer per Ende Februar 2017 einen Bilanzgewinn von mehr als sechs Millionen Euro auswies. An Kassenbeständen, Schecks und Guthaben bei Kreditinstituten sind 13,7 Millionen angegeben sowie mehr als 10 Millionen Euro an Rückstellungen.

Semperit an den wirtschaftlichen Abgrund geführt

Demgegenüber sind in der nun so begehrten B&C-Gruppe seit vielen Jahren immer wieder Personen am Ruder, die nicht gerade rauschende Erfolge in der industriellen Betriebsführung vorzuweisen haben. Dies betrifft einerseits die zwischen Stiftung und Industriebetrieben zwischengeschaltete Industrie-Holding mit hohem Personalstand. Und anderseits auch den einen oder anderen Industrie-Vorstand.

Im März 2017 musste z. B. Thomas Fahnemann als Generaldirektor der Semperit AG Holding „freiwillig“ abtreten. Er hatte es binnen 5 Jahren geschafft, Semperit an den wirtschaftlichen Abgrund heranzuführen.

Sein Nachfolger Martin Füllenbach ringt seit 1.6.2017 ums Überleben. Ein Heer von externen Beratern, die 2011-2017 mehr als 80 Mio. EUR kassierten und 2018 nochmals einige Millionen absahnen, war bisher nicht imstande, einen Turnaround glaubhaft nachzuweisen.

Vorstandsvorsitzender Martin Füllenbach: Überlebenskampf mit Semperit

Frühere Sanierung mit großem Erfolg

Das Überraschende daran: In den 1980er Jahren gab es eine ähnliche Situation. In dieser war aber der damals berufene Generaldirektor Rainer Zellner imstande, den übernommenen Sanierungsfall Semperit auch ohne fremde Berater zu einem mustergültig globalisierten Gummi- und Kautschukkonzern mit stetig steigenden Gewinnen und ebensolchen Aktienkursen aufblühen zu lassen.

Doch nach dem Abgang des Erfolgsmanagers Anfang 2011, der heute als Aufsichtsrats-Präsident zwei andere Industriekonzerne erfolgreich lenkt, wendete sich das Blatt. Nach 26 Jahren stetig steigender Gewinne bauten die Nachfolger plötzlich Verluste. Semperit war wieder zum Sanierungsfall geworden.

Sündteure Ratschläge von Beratern ohne Erfolg

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende Füllenbach konnte aus den sündteuren Analyse-Ergebnissen und Ratschlägen der Berater bisher keine tauglichen Schlüsse ziehen sondern lediglich vage erklären, man befinde sich in einem massiven Transformationsprozess. Dem fielen bisher Industriestandorte in China, Frankreich, Deutschland und Italien zum Opfer.

Der Semperit- Aktienkurs ist jedenfalls ab 2014 von 44,45 EUR um 66 % bis auf derzeit unter 15 EUR abgestürzt. Der Börsenwert schrumpfte von 914,5 auf 308 Mio. EUR.

Hybridanleihe mit besonders hohem Zinssatz

Für 2018 wird es nun wahrscheinlich bereits das 2. Jahr in Folge keine Dividende für die Aktionäre geben. Die B&C-Gruppe ist hingegen fein heraußen. Denn sie hat Semperit eine fragwürdige Hybridanleihe über 150 Millionen Euro als Unternehmensfinanzierung (mit unbegrenzter Laufzeit) verpasst und kassiert mächtig ab. Der Haken dabei: Semperit muss dafür ab Inanspruchnahme 5,25 % Zinsen p.a. an B&C abführen – also 7,875 Mio. EUR p.a..  Dies zur Zeit der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), in der sich andere Industriebetriebe bei den Banken Barvorlagen zu 0,3 – 0,5 % p.a. abholten!

Bei einer derartig großen Diskrepanz drängt sich die Frage auf: Machen sich Vorstand und Aufsichtsrat nicht strafrechtlich der Untreue schuldig, wenn sie dem Unternehmen statt der billigsten die teuerste Finanzierung verpassen? Noch dazu, da Semperit zum Jahresende 2017 ohnedies liquide Mittel in Höhe von 165,53 Mio. EUR (noch vor Inanspruchnahme der Hybridanleihe) ausgewiesen hat!

Lenzing und AMAG liefern Dividenden an B&C

Lenzing und AMAG liefern jedenfalls Dividenden an B&C ab. Ob und wieviel davon auch auf den Konten der Stiftungsvorstände landet, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Es wäre jedenfalls eine feine Sache – alljährlich Millionen zu kassieren, ohne viel dafür zu arbeiten.

Und vor allem: Nie für die bei B&C gebunkerten Aktien aus eigener Tasche gezahlt zu haben. Dieser juristisch geniale Deal ist vor allem Wolfgang Hofer zuzuschreiben.

Wende im kapitalistischen Märchen möglich

Investor Michael Tojner: Zweiter Übernahmeversuch

Doch dieses kapitalistische Märchen könnte jetzt eine überraschende Wende bekommen. Denn der clevere Finanzjongleur Michael Tojner nimmt nach 2008 nun den bereits zweiten Anlauf, um Österreichs größte Industriestiftung zu knacken. Diesmal mit der Bank-Austria-Mutter UniCredit und mit prominenten Industriekapitänen wie Stefan Pierer (KTM) und Andritz-Boss Wolfgang Leitner zur Seite.

„Die Vorstände wollen unbedingt verhindern, dass Dritte in die Stiftung kommen und sie nicht mehr so agieren können wie bisher“, zitiert die Tageszeitung Kurier aus dem Tojner-Konsortium. Im Umkreis der UniCredit gibt es Kritik angeblich auch mit dem Vorwurf des „Selbstbedienungsladens“.

Pikant dabei ist, dass Stiftungs-Vorstand Erich Hampel als Aufsichtsrats-Präsident der Unicredit-Tochter Bank Austria hier der italienischen Bank in die Quere kommt. Und dass Hofer und Hampel angeblich versucht hätten, die Stiftung an sich zu reißen und gegen eine Ausschüttung Letztbegünstigte des milliardenschweren Vermögens zu werden.

Doch als Letztbegünstigte scheint nach wie vor laut Stiftungsurkunde bei Auflösung der Stiftung die UniCredit als Aktionär ihrer Tochter auf – der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank. Die verwaltete seinerzeit bei der Einrichtung der Stiftung die Österreich-Agenden.

Übermäßig viel Personal und Vakanzen in der Kompetenz

Die B&C-Industrieholding beschäftigt derzeit 23 Mitarbeiter und vier Geschäftsführer. Andrea Hodoschek zieht den Vergleich mit der österreichischen Staatsholding ÖBIB und kommt auf überraschende Divergenzen. Denn diese Anteilsverwaltung kommt mit einem Geschäftsführer und nicht einmal halb so vielen Mitarbeitern aus. Dafür managt die ÖBIB aber wesentlich größere Konzerne: Österreichs größtes Unternehmen OMV, die Telekom Austria sowie Post und Casinos.

Hier scheint es in der B&C-Gruppe also auf allen Ebenen Vakanzen in der Kompetenz der Führung von Industriebetrieben zu geben. Womit wir wieder beim eingangs erwähnten Zitat von Wolfgang Hofer wären: Der Aushöhlung der Betriebe und dem Abzug substantieller Mittel aus der B&C-Gruppe. Industrie-Konzerne sind eben keine Anwaltskanzleien und auch keine bequemen Lederfauteuilles  in Bank-Etagen…