Enttarnt: Die skrupellosen Drahtzieher der Revolutionen

Millionen Flüchtlinge fliehen vor Bürgerkriegen und drängen nach Europa. und Financiers in den USA kümmert das wenig. Ihr Instrument, die serbische Revolutionszelle Otpor, hat in 37 Ländern Revolutionen geschürt. Die skrupellosen Drahtzieher der Revolutionen haben Demokratie versprochen und todbringendes Chaos gebracht.

Autor: Wolfgang Freisleben

Arabischer Frühling war einmal. Inzwischen sind die begeisterten Aufständischen entsetzt in der Realität angekommen. Statt der versprochenen blühenden Demokratie ernteten sie Bürgerkriege. Oder leben nicht mehr. Was jeweils spontan wirkte, war in Wahrheit ein lang von den USA geplanter und finanzierter Umsturz in arabischen Ländern. Ohne Exit-Strategie. Eine Einbahn ins Verderben.

Milliardär George Soros: Aufstände provozieren und Staaten destabilisieren als Hobby

Die vom amerikanischen Kongress gegründete und finanzierte Stiftung „National Endowment for Democracy“, die ebenso finanzierte NGO „Freedom House“ (beide mit Sitz in Washington) und die „Open Society Foundation“ des Multimilliardärs George Soros haben jahrelang Trainer und Kampagnen-Manager für die „Revolutionen nach Drehbuch“ bezahlt. Mit dem Ziel, Regierungen zu stürzen. Das ist zwar gelungen. Aber das nachfolgende Chaos war schlimmer.

Begonnen hatte es in Belgrad mit der Widerstandsbewegung „Otpor!“

Die erste revolutionäre Zelle entstand im Oktober 1998 in Belgrad als kleine Studentenbewegung unter dem Namen Otpor – zu Deutsch: Widerstand. Gründer Srdja Popovic und seine Mitstreiter haben durch spektakuläre Aktionen im Jahr 2000 Menschen mobilisiert – angeblich eine Million. Die geballte Faust, das Logo der Bewegung, tauchte nicht nur auf Häusern, vorfabrizierten Bannern und Flugzetteln auf, sondern auch auf T-Shirts prominenter Künstler und Titelseiten von serbischen Zeitungen.

Srdja Popovic und die Faust als Signet von Otpor: Von den USA gekaufter professioneller Provokateur

Chefinstrukteur Popovic gab offen zu: „Nach der serbischen Revolution waren wir in 37 Staaten aktiv. Wir können erfolgreiche Revolutionen vorweisen. In Georgien, der Ukraine, in Libanon, auf den Malediven, in Ägypten und Tunesien. Wie viele Bewegungen unser Symbol mit der geballten Faust benutzt haben? Keine Ahnung.“

Sie war jedenfalls auch in Russland, Venezuela und Iran zu sehen. Dort waren die Revolutionen nicht erfolgreich. Und die Schlachtfelder in Irak, Syrien, Libyen und im Osten der Ukraine brennen immer noch.

Nach der serbischen Revolution kam heraus, dass Otpor mit amerikanischen Steuergeldern finanziert wird. Seither haftet den professionellen Revolutionären der Makel an, als Handlanger dem amerikanischen Polit-Establishment gedient zu haben.

William Engdahl schreibt seit 30 Jahren über Washingtons geheime Geopolitik. Der US-Amerikaner war in der Elite-Universität Princeton und hat ein weites Informationsnetz bis hinein in die US-Geheimdienste. „Die Hauptakteure von Otpor oder heute Canvas, die in rund 50 Staaten aktiv sind, führen einen Plan aus, der in Washington erstellt wird, um Regime zu stürzen“, erklärte er im ORF-TV.

Denn seit die militärischen Invasionen in Afghanistan und Irak ziemliche Fehlschläge waren, bedienen sich die USA jeweils der lokalen Aktivisten.

Revolutionäre als Marionetten des Westens

Aufstände wurden jedenfals professionell geplant und mit Dollar-Millionen finanziert. Hinter den Revolutionen steckte aber nicht spontaner Idealismus, sondern knallhartes politisches Kalkül einer politischen Clique in Washington und ihrer Milliardenschweren Financiers.

Insgesamt wohl 40 Millionen Dollar haben sie locker gemacht, wie in der ORF-TV-Dokumentation „Die Revolutions-GmbH“ von Patrick Haffner und Alexander Steinbach berichtet wurde.

Strategien des gewaltlosen Kampfes

Maidan Aufstand in der Ukraine: Sehen so friedliche Demonstrationen aus?

Im Nahen Osten haben die Umsturz-Profis den gewaltfreien Widerstand mit lokalen Gruppen jahrelang trainiert, ehe sie die Menschen auf die Straßen schickten. So war es auch in Ägypten und Syrien.

Während die Massen auf der Straße marschierten und skandierten, arbeiteten im Hintergrund die geheimen Kräfte, die mit ihrer strategischen Choreographie immer einen Tick schneller sein mussten, als die Staatsmacht mit ihrem riesigen Apparat von Polizei und Geheimdienst.

Freedom House finanzierte auch eine Sachspende von 5.000 Exemplaren des Gene Sharp-Buches „From Dictatorship to Democracy“. In dem Werk mit dem Untertitel „Ein methodisches System zur Befreiung“ zählt der amerikanische Professor und Gandhi-Jünger vom Bostoner Albert-Einstein-Institut „198 Methoden der gewaltfreien Aktion“ auf.

Sharp gilt als Guru der Aktivisten; seine wichtigsten Erkenntnisse sind in dem Otpor-Handbuch „Nonviolent struggle – 50 entscheidende Punkte für den gewaltlosen Kampf“ zusammengefasst und werden von Hand zu Hand weiter gereicht.

„Bringing Down a Dictator“

Popovic wechselte dann sogar in die Politik, legte aber sein Mandat als Abgeordneter der Demokratischen Partei (DS) nieder, als sein Mentor Zoran Djindjic 2003 ermordet wurde. Im selben Jahr lief in den Kinos die Dokumentation „Bringing Down a Dictator“ des US-Regisseurs Steve York über den serbischen Kampf für Demokratie an. Bald meldeten sich Menschen von Weißrussland bis Zimbabwe, begierig darauf, die Aufstands-Lektionen zu lernen.

„Nonviolent Struggle“: Mit diesem Handbuch wurden junge Menschen zum angeblich gewaltlosen Aufstand verführt

2005 wurde auf „canvasopedia.org“ das Otpor-Booklet in sechs Sprachen online gestellt. Es liest sich wie ein Handbuch für eilige Revolutionäre, wurde bis heute mehrfach überarbeitet und von zehntausenden Menschen aus aller Welt heruntergeladen.

Srdja Popovic, der daran mitschrieb, avancierte zum international gefragten Experten für Rebellionen. In dieser Rolle flog er im echten Leben über 100.000 Meilen im Jahr um den Erdball, um auf Symposien Vorträge zu halten, Studenten in Amerika zu unterrichten, Aktivisten aus Burma zu trainieren oder im Wiener Gartenbau-Kino die Fragen des Premierenpublikums zu beantworten – im 2014 angelaufenen Kinofilm „Everyday Rebellion“ spielte der gebürtige Serbe sich selbst. Eine Art Guru für Revolutionen im 21. Jahrhundert.

Gemeinsam mit Andrej Milivojevic formte er dann aus Otpor in der serbischen Hauptstadt das „Zentrum für angewandte gewaltfreie Aktionen und Strategien“ (The Centre for Applied Nonviolent Action and Strategies – CANVAS), eine Art Denkfabrik mit angeschlossenem Trainingszentrum. Die Gründer hatten sich nichts Geringeres vorgenommen, als erfolgreiche Taktiken und Strategien des gewaltlosen Kampfes gegen repressive Regime zu entwickeln und sie weltweit unter die neuen Aktivisten-Generationen zu bringen.

Allein im Nahen Osten gelang es, acht Staaten zu destabilisieren. In einigen war Otpor sogar mit eigenen Leuten aktiv, in anderen nur als Berater in analytischen Fragen. Sie betrieben es wie einen Sport. „Es wird sehr interessant sein, was da herauskommen wird”, erklärte einer von ihnen in dem ORF-TV-Film.

Wie Michael Maier, der Herausgeber der Deutschen Wirtschafts-Nachrichten, in seinem Buch „Das Ende der Behaglichkeit“ beschreibt, haben die Amerikaner auch die Vorläufer des IS unterstützt oder zumindest sein Entstehen nicht verhindert. Laut einem 2005 erschienenen Bericht des US-Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA) hätten die Amerikaner frühzeitig Hinweise darauf gehabt, dass sich hier eine radikale Gruppe zusammenrotten würde, aus der sich Daesh, der Islamische Staat (IS), entwickelte.

Sie schritten jedoch nicht ein, weil sie darauf setzten, dass diese Gruppe beim Sturz der syrischen Regierung behilflich sein könnte. Die Vorläufer des IS haben vom Westen Geld und Waffen erhalten, weil der Westen, die Golf-Staaten und die Türkei gemeinsam die syrische Opposition unterstützen, während Russland, China und der Iran auf der Seite des Assad-Regimes stehen.

Gleichzeitig unterstützen die USA mit der Al-Nusra-Front einen der Gegner des Islamischen Staats (IS), obwohl dies der syrische Ableger des ehemaligen US-Feindes Al-Kaida ist.

Der langfristige Plan der US-Geopolitiker beinhaltete auch die Empfehlung, man möge die unterschiedlichen Glaubensrichtungen der Muslime gegeneinander ausspielen. Wenn sich Schiiten und Sunniten gegenseitig bekämpften, wie jetzt in Syrien und Irak, gäbe dies der US-Regierung die Möglichkeit, ihren Einfluss in der Region auszubauen.

Und so geschah es auch. Während Saudi-Arabien die sunnitisch-islamistischen Terroristen des IS finanziert und mit Waffen versorgt, liefert der schiitische Iran zur Unterstützung des syrischen Machthabers Baschar al-Saddat Waffen, schickt Soldaten und Söldner.

Doch die Planspiele in Washington verblassen. Man hatte die Rechnung ohne Wladimir Putin gemacht. Die russische Energiekonzern Gazprom besitzt inzwischen die Lizenzen zur Ausbeutung der syrischen On- und Offshore-Gasfelder und der Ölquellen.