Die USA planten schon ab 1991 die Nahost-Kriege

Der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark erhielt schon 1991 von Paul Wolfowitz, später Stellvertretender US-Verteidigungsminister, das Aviso der späteren Nahost-Kriege der USA. Mit 9/11 hätten dann eiskalte, hartgesottene Personen in Washington die Macht an sich gerissen und die Kriege in Irak, Libyen und Syrien begonnen.

Autor: Wolfgang Freisleben

Wo die US-Army hingreift, hinterlässt sich Chaos, Elend und Tod. So war es in Afghanistan und im Irak, in Libyen und im Sudan. Und was dem Nahen Osten und Europa noch alles bevorsteht, ist in den USA schon längst geplant. Denn im Pentagon wird Jahrzehnte im Voraus geplant.

Tiefe Einblick über das Zusammenspiel des Billionen schweren Kriegs-Komplexes mit der Regierung gewährte der Vier-Sterne-General der U.S. Army a.D., Wesley Clark, vier Jahre später in einem Vortrag beim Think Tank „Commonwealth Club of California“ am 3. Oktober 2007. Der ehemalige Oberbefehlshaber der NATO (1997-2000) und NATO-Kommandeur im Kosovo-Krieg erklärte einem staunenden Publikum, dass die seit 2003 geführten Kriege der USA im Nahen Osten bereits seit 1991 geplant worden waren. Damals hatte Clark den Staats- sekretär im Verteidigungs-ministerium und ab 2001 dann Vize-Verteidigungsminister, Paul Wolfowitz, nach einem Gespräch in Washington mit General Colin Powell, dem späteren US-Außenminister, getroffen.

Der war mit dem Ergebnis der Operation „Wüstensturm“ im Irak nicht ganz zufrieden, weil er und seine Clique eigentlich schon damals Saddam Hussein los werden wollten. Das war gerade nach dem Aufstand der Schiiten im März 1991, den die USA provoziert und dann die US-Soldaten zurückgehalten und nicht interveniert hatten.

Wolfowitz glaubte überdies, dass die USA Truppen im Nahen Osten einsetzen können und die Sowjets sie nicht mehr stoppen würden. Wolfowitz zog Clark gegenüber den Schluss, dass die USA etwa fünf oder 10 Jahre Zeit hätten, „um all die sowjetischen Klientel-Regime in Syrien, Irak und Iran zu beseitigen, bevor die nächste große Supermacht die USA herausfordern“ würde. Er sollte sich zumindest bezüglich Iran und Syrien irren.

Wolfowitz mit einer post-sowjetischen Strategie beauftragt

In diesem Jahr war Wolfowitz von Präsident Bush sen. beauftragt worden, eine Strategie für die post-sowjetische Ära zu entwickeln. Die „Wolfowotz-Doktrin“ erklärte, dass die Vorherr- schaft der Vereinigten Staaten über den Rest der Welt nur dann garantiert sei, wenn die Europäische Union am Zügel gehalten werde, berichtet der Nahost-Experte Thierry Meyssan in der Schweizer Politik-Zeitschrift „Zeit-Fragen“. Er bezog sich auf einen Artikel in der New York Times vom 8. März 1992 unter dem Titel „US Strategy Plan Calls For Insuring No Rivals Develop“. Seit damals planen die USA also auch, wie sie das Entstehen eines neuen Supermacht-Rivalen ausschließen können.

9/11 brachte einen politischen Staatsstreich in der Regierung

Mit dem Terroranschlag am 11. September 2001 in New York änderte dann endgültig der Weg frei für die Umsetzung. „Wir hatten einen politischen Staatsstreich. Einige eiskalte, hart gesottene Personen haben die US-Außenpolitik übernommen“, empörte sich General Clark in seinem Vortrag 2007 und meinte Wolfowitz, den späteren Vizepräsidenten Dick Cheney und seinen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sowie „ein halbes Dutzend anderer Kollaborateure vom PNAC“. Dieses „Project for the New American Century (Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert), war eine neokonservative amerikanische Denkfabrik mit Sitz in Washington.

Etwa sieben Wochen nach 9/11 traf Clark einen Offizier im Pentagon, der ihm einen Merk- zettel aus dem Büro des Verteidigungsministers zeigte, auf dem stand: Wir werden sieben Länder angreifen und deren Regierungen binnen fünf Jahren stürzen. Wir beginnen mit dem Irak und dann nehmen wir uns Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, den Iran und den Sudan vor.“ Sieben Länder in fünf Jahren!

Wesley Clark konnte es einfach nicht glauben. „Diese Leute haben die Kontrolle über die Politik in den USA übernommen. Ich habe dann alles begriffen, als ich mich an das Treffen 1991 mit Wolfowitz erinnerte“, erzählte er im Commonwealth Club. „Ich war konsterniert bei dem Gedanken, dass die USA gerade dabei waren, in fremde Länder einzufallen (…) Sie wollten den Nahen Osten destabilisieren und unter unsere Kontrolle bringen. Das ist auf jene Anmerkungen von Wolfowitz im Jahr 1991 zurückzuführen.“

Ehemaliger CIA-Direktor avisierte Umstürze in Irak, Ägypten und Libyen

Der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey erklärte in einem Vortrag an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) am 3. April 2003, der Teil einer ganzen Serie ähnlicher Veranstaltungen im ganzen Land war, den Kalten Krieg zum 3. Weltkrieg und: „Der 4. Weltkrieg, in dem wir uns befinden, wird für uns wahrscheinlich länger dauern als die Weltkriege I und II – aber hoffentlich nicht so lange wie der Kalte Krieg.“

Als Feinde nannte er Iran, Irak, Syrien und al Qaida. Außerdem kündigte er an: „Wenn wir in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten einen neuen Mittleren Osten schaffen wollen, werden wir etliche Leute sehr nervös machen.“ Es sei die Unterstützung der demokratischen Bewegungen im gesamten Nahen Osten über viele Jahre, die diese unsichere Stimmung verbreiten werde.

Im Besonderen nannte er den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und überraschenderweise auch die Führer von Saudi-Arabien: „Wir wollen Euch nervös machen. Wir wollen, dass Ihr zum vierten Mal in einem Jahrhundert erkennt, dass dieses Land und seine Verbündeten auf dem Weg sind und dass wir auf der Seite jener sind, die Ihr, die Mubaraks und die Saudische Königsfamilie, am Meisten fürchten: Wir sind auf der Seite Eurer eigenen Leute“.

Bei dem Vortrag an seiner Seite war damals Paul Bremer, Botschafter während der Reagan-Regierung und früherer Vorsitzender der Nationalen Terrorismus-Kommission. Einen Monat später, am 6. Mai 2003, wurde Bremer von Präsident George W. Bush zum Zivilverwalter für den Irak ernannt und löste Jay Garner nach nur wenigen Wochen ab.

Seither haben die USA „einiges erledigt“: Mubarak, Saddam Hussein und Ghadaffi sind beseitigt. Doch zurück blieb nicht Demokratie, wie von den USA postuliert, sondern ein Chaos im Nahen und Mittleren Osten, auf der arabischen Halbinsel, am Horn von Afrika, in Nordafrika.

Und auch der Instabilität am Balkan gingen militärische Angriffe der US-geführten NATO voraus. Friedensnobelpreisträger Obama verantwortet all das in dem FOX-Interview banal damit, „dass es da draußen böse Leute gibt, die versuchen, uns einen Schaden zuzufügen.

„Es war nicht moralisch, aber es hat funktioniert“

George Friedman, Direktor des privaten US-Thinktank STRATFOR, erklärte am 3.2.2015 vor dem Chicago Council on Global Affairs: „Wofür wir seit Jahrhunderten die Kriege führten – 1. und 2. Weltkrieg und den Kalten Krieg – waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Die beiden zusammen sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann, und unser Interesse war es, sicherzustellen, dass das nicht geschieht.“

Angst vor einer Achse Deutschland-Russland

Laut Friedman ist die größte Angst der Vereinigten Staaten, dass deutsches Kapital und deutsche Technologien sich mit den Rohstoffen und der russische Arbeitskraft zu einer einzigartigen Kombination verbinden könnten, die angeblich den Amerikanern seit Jahrhunderten Angst eingejagt hätte. Das wäre zumindest eine Erklärung, warum die USA drauf und dran sind, Europa wieder einmal in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln.

Friedman gab offen zu, dass die USA eine „rote Linie“ vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer gezogen hätten, die sich als breiter Gürtel über Polen, die Ukraine, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Bulgarien nach Süden bis zur Türkei ziehe. Mit Ausnahme der Ukraine handelt es sich dabei um einen NATO-Korridor, durch den die Verbindung Deutschlands über Polen und Weißrussland nach Russland durchschnitten wird. In der Ukraine sind längst US-Militärberater und Söldner der aus dem Irak-Krieg berüchtigten US-Söldner-Armee Blackwater, die sich inzwischen harmlos Academi nennt, im Einsatz.