Bank Austria-Präsident zum Rücktritt gezwungen

Knalleffekt in der österreichischen Banken-Szene: Der Aufsichtsratspräsident von Österreichs größtem Geldhaus UniCredit Bank Austria AG ist am Donnerstag überraschend zurückgetreten. Er ist dem italienischen Mehrheitseigentümer UniCredit S.p.A. in die Quere gekommen. Und zwar durch seine Funktion als Vorstand der B&C-Stiftung, die er offenbar nicht aufgeben will.

Autor: Wolfgang Freisleben

Erich Hampel hat eine typisch österreichische Karriere hinter sich. Mit „rotem“ (SPÖ-) Parteibuch im Sakko diente er sich in staatlichen bzw. staatsnahen Banken an die oberste Spitze. Zunächst in der staatlichen PSK-Gruppe und ab 1997 als Vorstandsvorsitzender in der Creditanstalt, der größten österreichischen Bank mit staatlichem Mehrheitseigentümer. Schließlich landete er im Jänner 2004 an der Vorstands-Spitze der aus Fusionen hervorgegangenen privatisierten Bank Austria Creditanstalt AG. Seit 2005 ist Hampel außerdem Head of CEE Division der italienischen UniCredit Group. Bis 22. Mai 2018 hatte er auch einen Sitz im Generalrat der (staatlichen) Österreichischen Nationalbank.

Blickt kritisch in die Stiftungs-Zukunft: Der nunmehrige Ex-Präsident der UniCredit Bank Austria, Erich Hampel.

Grund des aktuellen Rücktritts ist seine Funktion in Vorstand der von der Bank Austria im Jahr 2000 gegründeten B&C-Stiftung, die drei börsennotierte Industriekonzerne Lenzing, AMAG und Semperit im Gesamtwert von 3,7 Mrd. EUR kontrolliert. Diese gehörten einst zur Creditanstalt.

Jetzt befindet sich die Stiftung im Zentrum eines Übernahmeversuchs durch eine Gruppe unter Führung des Spekulanten Michael Tojner, der just von der Unicredit unterstützt wird, die Erich Hampel daher verlassen musste.

Tojner will von der Unicredit deren Letztbegünstigtenrechte für die Stiftung ablösen. Denn die scheint nach wie vor laut Stiftungsurkunde bei Auflösung der Stiftung als Begünstigte auf – wenn auch womöglich indirekt: Als Aktionär ihrer Tochtergesellschaft, der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank. Die verwaltete seinerzeit bei der Einrichtung der Stiftung die Österreich-Agenden.

Tojner bietet den Italienern dem Vernehmen nach 100 Millionen Euro sowie weitere 150 Millionen Euro für das Recht, den Stiftungsvorstand zu besetzen. Das Geld dafür soll aus der Stiftung kommen.

Zudem bietet der Investor der Unicredit Ausschüttungen aus den Kernbeteiligungen der B&C an: 50 Prozent der jährlichen Dividenden aus den Industriebetrieben, und das so lange, bis eine Milliarde Euro beisammen ist. Danach könnte ein anderer Aufteilungsschlüssel vereinbart werden.

Stiftungsvorstand kündigt harten Widerstand an

Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer (ganz rechts) im Kreise von Kollegen: Aushöhlung der Betriebe verhindern?

Der zweite Stiftungsvorstand, Rechtsanwalt Wolfgang Hofer, hat jedoch harten Widerstand angekündigt und sagte vor kurzem: „ Wir werden alles daransetzen, eine Aushöhlung unserer Betriebe sowie einen Abzug substanzieller Mittel aus der B&C-Gruppe zu verhindern.“

Wie eine Aushöhlung geht weiß Hofer ganz genau. Denn durch das Missmanagement der Stiftung und ihrer Industrieholding hatte beispielsweise der Kautschuk- und Kunststoffkonzern Semperit eine erschreckende und existenzgefährdende Aushöhlung und den Abzug substanzieller Mittel erlebt. Der Konzern war davor von dem im April 2011 ausgeschiedenen Generaldirektor Rainer Zellner über Jahrzehnte mustergültig globalisiert und hochrentierlich geführt worden.

Der dann folgende Niedergang hat an der Börse tiefe Spuren hinterlassen: Der Aktienkurs stürzte seit Juli 2014 von 44,21 EUR um 68 % auf 14,22 EUR ab.

Rechtsanwälte mit hohen Honorar-Umsätzen

Das dürfte aber den Stiftungsvorstand Wolfgang Hofer wenig stören. Denn seine Anwaltskanzlei scheint aus den drei Industriekonzernen jährliche Millioneneinnahmen zu lukrieren. 2014 wies die B&C Holding immerhin Beratungsleistungen an „nahestehende Unternehmen und Personen“ von 5,9 Millionen Euro aus, im Jahr zuvor schienen 5,6 Millionen auf.

Kontrahent Michael Tojner: Will am kapitalistischen Märchen mitnaschen

Darüber hinaus ist die Grohs Hofer Rechtsanwälte GmbH auch für die einzelnen Betriebe tätig.  So weist z. B. Semperit 2017 für die Kanzlei 1,25 Millionen aus, nach 612.000 Euro für 2016.

Kein Wunder, dass die Kanzlei Grohs Hofer per Ende Februar 2017 einen Bilanzgewinn von mehr als sechs Millionen Euro auswies. An Kassenbeständen, Schecks und Guthaben bei Kreditinstituten sind 13,7 Millionen angegeben sowie mehr als 10 Millionen Euro an Rückstellungen.

Wie drei Industriekonzerne einst aus dem Eigentum der fusionierten Bank Austria-Creditanstalt (daher auch B&C) gratis in einer nahezu unantastbaren Stiftung verschwinden konnten, dürfte das größte, lukrativste und trickreichste Geschäft gewesen sein, das jemals in Österreich getätigt worden ist.

Doch dieses kapitalistische Märchen könnte jetzt eine überraschende Wende bekommen. Der clevere Finanzjongleur Michael Tojner nimmt nach 2008 jedenfalls jetzt den bereits zweiten Anlauf, um Österreichs größte Industriestiftung zu knacken und an diesem Märchen teilzuhaben. Diesmal mit der Bank-Austria-Mutter UniCredit und mit prominenten Industriekapitänen wie Stefan Pierer (KTM) und Andritz-Boss Wolfgang Leitner zur Seite.